Mutti macht das!

Mutti macht das!

An einem Sonntag Mitte Mai fielen der Muttertag und der Internationaler Tag der Pflege zusammen. Wie praktisch: Am Sonntag bekommt Mutti das Frühstück ans Bett. Danach verlässt sich jeder drauf, dass sie zuverlässig wieder loslegt mit #UnpaidCareWork

Nun gut, wir BestAger packen den Kindern keine Schulbrote mehr, kontrollieren keine Hausaufgaben. Kinder gehen oft bereits ihre eigenen Wege. Doch oft haben wir selbst Eltern, die uns mehr und mehr brauchen. Oft sind wir auch bereit zu unterstützen. Jede:r von uns gleichermaßen?

Mutti macht das!

Katrin Klemm ist erfahrene StoryCoach und StoryTellingTrainerin.

Seit über 20 Jahren ermutigt sie Menschen, die Geschichte(n) ihres Lebens zu entdecken, zu nutzen und aktiv weiterzuentwickeln.

Das ist mehr als klassisches KarriereCoaching oder „Wie finde ich schnell den nächsten Job?“ Katrin begleitet dich Schritt für Schritt bei beruflicher und persönlicher Neuorientierung, zu mehr Lebensfreude und Sinn, zu einem 100% Ja zu dir selbst.

Fotocredit: Nina Grützmacher

INHALTSVERZEICHNIS

Es sind die Töchter, die gefressen werden

Leider gibt es hartnäckige Rollenbilder und alte Geschichten, die sich lange halten. Margaret Forsters Buchtitel „Es sind die Töchter, die gefressen werden“ (erschienen 1982) bringt es auf den Punkt. Und hat nichts an Aktualität verloren.

Doch wer sagt eigentlich, dass unbezahlte Pflege-Arbeit ganz selbstverständlich von Frauen übernommen werden muss?

Diese Selbstverständlichkeit beruht neben traditionellen Geschlechterrollen, sozialen Erwartungen, ökonomisch basierten Selbstverständlichkeiten oder mangelhaften Unterstützungssystemen vor allem auch auf der intrinsischen Motivation, sich zu kümmern und zu unterstützen.

Und vor allem stecken Geschichten dahinter. Geschichten, die man Frauen erzählt, damit sie weitermachen mit dem, was sie immer getan haben. Sich kümmern!

Viele Geschichten erzählen wir uns selbst

Doch die Art und Weise, in der wir uns diese Geschichten erzählen, bestimmen die Qualität unseres Lebens.

Diese Geschichten entstehen aus

  1. Dem, was wir in der Welt um uns herum wahrnehmen.
  2. Der Richtung in die wir diese Wahrnehmungen aufgrund vergangener Erfahrungen und unserer Wetten auf die Zukunft (Hoffnung oder Ängste) bewerten.
  3. Unserer Entscheidung zu handeln. Dabei sieht man nicht jedes Handeln im Außen. Manchmal kann man deshalb keine Entwicklung beobachten, weil Frauen sich selbst nicht gut be-handeln.

Ändern wir diese inneren Geschichten

Zurück zu Muttertag und Pflegetag, so praktisch an diesem Sonntag vereint.

Muttertag: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einer amerikanischen Frauenrechtlerin eingefordert, von Floristen in alle Welt exportiert. Es geht um Dankbarkeit für Mütter, die überall auf der Welt Unglaubliches leisten.

Der Internationale Tag der Pflege – gewidmet dem Geburtstag von Florence Nightingale, der „Lady mit der Lampe“ – würdigt Menschen, die in der bezahlten Pflege beschäftigt sind. Die Statistik zeigt, dass das weit mehr Frauen sind, und sie nicht üppig entlohnt werden. Sozialer Status und Wertschätzung für die Branche – häufig Fehlanzeige.

Schauen wir uns die unbezahlte CareArbeit an, sind es auch überwiegend Frauen, die sich „kümmern“. Um Kinder, Jugendliche, Bedürftige, Kranke, Alte…

(Männer, mir ist bewusst, dass ich vielleicht einzelnen von euch Unrecht tue. Sorry, da müsst ihr jetzt durch. Ihr lest weiter auf eigene Gefahr)

Schauen wir uns das an einem Beispiel an. Und bedienen bewusst ein Klischee.

Nennen wir sie Felix und Sophie. Mann, Frau, ein Paar mit zwei Kindern. Als Familie gibt es die üblichen guten und schwierigen Zeiten. Mit den Großeltern (Felix Eltern nennen wir Anna & Friedrich. Sophie ist die Tochter von Maria & Paul) läuft es entspannt.

Auch wenn natürlich keine Schwiegertochter in Muttis Augen gut genug für ihren Sohnemann ist, und sich auch Felix – um als angemessener Schwiegersohn durchzugehen – beruflich ordentlich reinknien muss. Er arbeitet rund um die Uhr, versucht immerhin, die Kinder gelegentlich ins Bett zu bringen. Sophie hat einen 30-Stunden Job, den sie wirklich mag. Wie praktisch, dass alle vier Großelternteile fit sind und gelegentlich einspringen können.

So weit, so Klischee.

Die Jahre vergehen.

Doch wie in vielen guten Geschichten schleichen sich Schwierigkeiten auf leisen Sohlen an. Maria bekommt Krebs von der ganz fiesen Sorte. Bei Friedrich zeigt sich Demenz immer stärker.

Und jetzt? Wer kümmert sich?

Natürlich (!) Sophie.

Sie sieht:

  • Mama Maria und Schwiegerpapa Friedrich sind unterstützungs- und pflegebedürftig.
  • Paul und Anna überfordert. Paul steckt den Kopf in den Sand; er hat nie gelernt, über „sowas“ zu reden. Anna weiß nicht, womit sie beim notwendigen Behördenkram anfangen soll.
  • Die Kinder wollen nur ihre Ruhe, doch sind gleichzeitig schulpflichtige Teenager.
  • Felix arbeitet 50 Stunden pro Woche, hat dafür fast das Doppelte auf dem Gehaltszettel.

Auftritt innere Geschichten

In Sophie schlagen innere Geschichten jetzt unbarmherzig zu. Eine Auswahl.

▶︎ Eine muss es ja machen.

▶︎ Ich kann die Armen doch nicht hängen lassen.

▶︎ Das kann ich meiner Mutter nicht antun. Sie hat mich als Kind gewickelt und gefüttert. Jetzt bin ich dran.

▶︎ Ich arbeite ja nur 30 Stunden.

▶︎ Felix ist unser Haupternährer.

▶︎ Was sagen die Leute, wenn wir sie ins Heim abschieben?

Doch wer sagt, dass diese Geschichten wahr sind? Oder sie auf ewig ihre Gültigkeit behalten?

Wach auf. Stopp den Autopiloten!

Unterbrich die Dauerschleife!

Lass dich vom Muttertags-Gedudel nicht einlullen.

„Mutti ist durch die Kinder ans Kümmern gewöhnt. Jetzt wird sie einen Tag verwöhnt, dann kann sie doch mit den Eltern gleich weitermachen. Oder?“

Schreib innere Geschichten neu

Es ist nicht selbstverständlich, dass Frauen #UnpaidCareWork alleine schultern.

Es liegt ganz selbstverständlich genauso in der Verantwortung der Männer, der Söhne, der Enkel sich zu kümmern. Bringen wir es ihnen rechtzeitig bei.

Entdecke deine Autopilot-Gedanken, sobald du einen anderen Menschen leiden siehst. Kläre für dich selbst, was du selbst leisten möchtest und aus welchem Grund.

Denn unbezahlte pflegende Tätigkeiten gehen an die Substanz. Kochen, füttern, waschen, putzen, beim Toiletten-Gang helfen, die Einnahme von Medikamenten managen, Entscheidungen treffen, Rechnungen einreichen, Hilfeleistungen beantragen – all das kann Frauen rasch in die komplette Überlastung führen. Körperlich und psychisch. Und das ist nicht fair.

Deshalb, liebe Sophies, wenn Felix am Muttertag mit Blumen auftaucht:

  1. Beobachten: Was läuft hier gerade?
  2. Autopilot auf Sendepause!
  3. Empathie-Pegel checken. Empathie ist wunderbar. Doch sollte auch für dich eine Portion drin sein. Darin bist du noch nicht so gut? Üben!
  4. Handeln! Das heißt bewusst entscheiden, was du leisten kannst und willst.
  5. Lernen, dich in emotional herausfordernden Situationen deutlich und ohne Schuldgefühl zu artikulieren.

Denn es sind unsere Entscheidungen, durch die wir Entwicklungen verändern. Auch gesellschaftliche.

Ich sage nicht, dass wir uns nicht kümmern sollten. Doch wir sollten es Männern, den Söhnen, Brüdern, Enkeln nicht so leicht machen, sich vor #UnpaidCareWork zu drücken.

Auch sie dürfen sich da was zutrauen. Selbst wenn es keine Blumen dafür gibt.

Ändern wir innere Geschichten. Jetzt.

Katrin ist ein sehr aktives Mitglied unserer Community! Du findest sie auch in unserem digitalen Schaufenster und in unserer Leseecke!

Wenn du mehr zum Thema unbezahlte CareArbeit und deren Auswirkungen auf das Pensions Pay Gap erfahren willst, lies unseren Blog zum Thema „Altersdiskriminierung von Frauen“.

Katrin Klemm
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Willst du auch wissen, wie du dich auf Tropentage und -nächte vorbereiten kannst, wie du dich schützt und was bei Überhitzung zu tun ist, dann lies unseren ausführlichen Wir BestAger Blogbeitrag dazu:
https://wir-bestager.jetzt/was-tun-bei-hitze/

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