Soziale Isolation - wie wirkt sie sich auf die Psyche aus?

Wie wirkt sich soziale Isolation auf die Psyche aus?

In unserer heutigen, schnelllebigen Welt, in der Technologie und Digitalisierung dominieren, hat sich die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren und interagieren, drastisch verändert.

Während es durch den technologischen Fortschritt (Sprichwort Internet, Facebook, WhatsApp) einfacher geworden ist, mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten, werden gleichzeitig immer mehr Menschen einsam und sozial isoliert.

Dieses, auf den ersten Blick unlogische Phänomen ist nicht nur in Zeiten von Pandemien und Lockdowns stärker geworden, sondern wird in Zukunft voraussichtlich noch verschärft werden, da immer mehr Menschen in einem Ein-Personen-Haushalten leben.

Doch welche Auswirkungen hat der Trend zum alleine Wohnen und welche Auswirkungen hat das auf unsere Psyche? Diese Fragen beantwortet Daniel Schalk in diesem Beitrag.

INHALTSVERZEICHNIS

Wie viele Menschen in Deutschland/Österreich leben in einem 1-Personen-Haushalt?

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland und Österreich stetig erhöht. Laut Statistiken leben in Deutschland mittlerweile rund 17,3 Millionen Menschen allein, was etwa 41%[1] aller Haushalte entspricht.

In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier sind es etwa 1,5 Millionen Menschen[2], die in einem Ein-Personen-Haushalt leben, was rund 38% aller Haushalte ausmacht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass das Alleinleben in beiden Ländern zu einer gängigen Lebensform geworden ist.

[1] DIE PRESSE
[2] STATISTIK.AT 

Unterschied zwischen allein leben und einsam leben

Es ist wichtig zu betonen, dass alleine zu leben nicht zwangsläufig bedeutet, einsam zu sein. Viele Menschen leben bewusst alleine, um Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung zu genießen. Sie haben aktive soziale Netzwerke, pflegen Freundschaften und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil, dies ist keine besorgniserregende Situation.

Einsamkeit hingegen ist ein Gefühl, das entsteht, wenn die eigenen sozialen Beziehungen als unzureichend oder nicht erfüllend empfunden werden, dies muss nicht zwangsläufig damit zusammenhängen, ob man alleine oder in einem Mehr-Personen-Haushalt leben.

Jedoch tritt deutlich häufiger der Fall ein, dass alleinlebende Personen in Einsamkeit und soziale Isolation abrutschen. Dies ist gefährlich und kann mit einer Vielzahl von psychischen Problemen einhergehen, darunter Depression, Angst und sogar kognitive Beeinträchtigungen.

einsamkeit

Wie wirkt sich Isolation auf die Psyche aus?

In der Studie „Angebote zur Prävention von sozialer Isolation und Einsamkeit bei älteren Menschen im ländlichen Raum“, von Kathrin Steinbeisser, et. al[1] wurde bei älteren Menschen untersucht, wie sich soziale Isolation und Einsamkeit auf die Gesundheit der Studienteilnehmer auswirken kann.

Hierbei zeigte die Studie klar, dass mit steigendem Alter auch die Einsamkeit steigt. Während sich bei den 65-Jährigen cirka 8% einsam fühlen, sind es bei den 90-jährigen bereits rund 22%.

Die gesundheitlichen Folgen der Einsamkeit sind enorm. So konnte die Studie nachweisen, dass einsame Personen deutlich häufiger unter Schmerzen im unteren Rücken, COPD (Lungenerkrankung), kognitive Einschränkungen, demenzielle Erkrankungen und verschiedene kardiovaskuläre, onkologische, neurologische und psychiatrische Krankheitsbilder leiden.

Es kann also klar festgehalten und mittlerweile wissenschaftlich bestätigt werden: Soziale Isolation wirkt sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit der Betroffenen aus.

[1] SPRINGER PDF 

Tipps zu Prävention: Was kann ich zur Vorbeugung tun?

Gegen soziale Isolation präventiv vorzugehen, ist besonders wichtig, um das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit zu fördern. Hier sind 5 Tipps, die helfen können:

▶︎ Regelmäßige soziale Interaktionen:
Halte einen regelmäßigen Kontakt zu Familie und Freunden, sei es durch persönliche Treffen oder Telefonate. In Zeiten, in denen physische Treffen schwierig sein können, bieten Videoanrufe und Messaging-Apps eine gute Alternative, um in Verbindung zu bleiben.

▶︎ Teilnahme an Gruppenaktivitäten:
Engagiere dich in lokalen Gruppenaktivitäten wie Sportteams, Workshops oder Buchclubs. Diese bieten nicht nur die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erlernen oder Hobbies zu pflegen, sondern fördern auch soziale Bindungen und Interaktionen.

▶︎ Hobbies und Interessen nachgehen:
Verfolge deine Leidenschaften und Interessen, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu bleiben. Egal ob es sich um Kunst, Musik, Kochen oder Wandern handelt, gemeinsame Interessen können als Brücke zu neuen Freundschaften dienen.

▶︎ Regelmäßige Routine:
Eine strukturierte tägliche Routine gibt einem den Tag über Halt und Struktur. Das Einhalten von festen Zeiten für Mahlzeiten, Aktivitäten und Schlaf kann dabei helfen, ein Gefühl von Normalität und Zweckmäßigkeit aufrechtzuerhalten.

▶︎ Freiwilligenarbeit:
Das Helfen in der Gemeinschaft kann ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Zwecks fördern. Es bietet nicht nur die Möglichkeit, anderen zu helfen, sondern ermöglicht auch soziale Interaktionen und das Knüpfen neuer Kontakte.

Familienfeste

Unterstützung durch Angehörige gegen soziale Isolation

Angehörige spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Personen, die mit sozialer Isolation konfrontiert sind. Ein einfacher Besuch oder regelmäßige Telefonate können einen großen Unterschied machen und der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist und dass sich jemand um sie kümmert.

Es ist auch hilfreich, den betroffenen Angehörigen in Familienaktivitäten einzubeziehen, sei es durch Einladungen zu Familienfeiern, Ausflügen oder einfachen Treffen, um ihm das Gefühl zu geben, verbunden und geschätzt zu sein.

Wenn die soziale Isolation zu weiteren psychischen Problemen führt, ist es wichtig, den Angehörigen zu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es in Form von Therapie, Beratung oder Unterstützungsgruppen.

Das aktive Zuhören und Zeigen von Empathie, wenn ein Angehöriger über seine Gefühle und Ängste spricht, kann ebenfalls eine große Hilfe sein. Die Ermutigung zu regelmäßiger körperlicher Aktivität, wie Spaziergängen oder leichten Übungen, kann das allgemeine Wohlbefinden steigern. Schließlich kann die Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben, wie Einkäufen oder Arztbesuchen, und das Teilen von Informationen über die Auswirkungen sozialer Isolation dazu beitragen, dass die gesamte Familie unterstützend und einfühlsam agiert.

Fazit

Soziale Isolation ist ein wachsendes Phänomen in unserer modernen Gesellschaft, das erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.

Während viele Menschen bewusst alleine leben und dabei ein erfülltes Leben führen, kann das Gefühl der Einsamkeit zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen führen.

Es ist entscheidend, dass sowohl Einzelpersonen als auch ihre Angehörigen proaktive Maßnahmen ergreifen, um dieser Isolation entgegenzuwirken, da ansonsten schnell gesundheitliche Folgen auftreten können.

Die Unterstützung durch Familie und Gemeinschaft, kombiniert mit persönlichen Bemühungen, kann dazu beitragen, das Wohlbefinden zu fördern und die negativen Auswirkungen der Isolation zu mindern.

Lies einen persönlichen Erfahrungsbericht zum Thema Panikattacken und soziale Isolation.

Daniel Schalk Bsc.
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