Wie wollen wir morgen leben – und warum setzen sich so viele Menschen erst spät mit dem Wohnen im Alter auseinander?
Dr. Julia Girardi-Hoog spricht im Interview mit uns über neue Wohnmodelle, soziale Unterschiede und darüber, warum gutes Wohnen 60plus weit mehr ist als Barrierefreiheit.
INHALTSVERZEICHNIS
Fotocredit: Stadt Wien, Luiza Puiu.
Dr. Julia Girardi-Hoog
ist promovierte Architektursoziologin und arbeitet seit 2013 für die Stadt Wien. Sie ist in der Stadtbaudirektion Wien für den Bereich Gender Planning und für das Programm„Schön Alt 2045“ zuständig.
Dieses Programm soll die demografischen Herausforderungen der nächsten 20 Jahre bewältigen und der Generation 60plus ein sicheres sowie qualitätsvolles Leben ermöglichen.
Zusätzlich unterrichtet Dr. Girardi-Hoog an der Hochschule Campus Wien und an der Uni Wien. Sie wurde für ihre Dissertation mit dem Johanna Dohnal Frauenforschungspreis ausgezeichnet.
Wer ist Dr. Julia Girardi-Hoog
Wir BestAger: Frau Dr. Girardi-Hoog, bevor wir inhaltlich einsteigen: Was sollten unsere Leserinnen und Leser über Sie, Ihren beruflichen Weg und Ihren Zugang zum Thema Wohnen 60plus wissen?
Girardi-Hoog: Ich bin Architektursoziologin und arbeite seit rund 13 Jahren in der Stadt Wien. Mein Zugang ist immer die Schnittstelle zwischen Menschen und gebauter Umwelt. Mich interessiert, wie wir Stadtentwicklung so gestalten können, dass sie den tatsächlichen Lebensrealitäten entspricht. Dazu gehört für mich auch, Zahlen und Daten mit den Bedürfnissen und Lebensstilen der Menschen zu verbinden. Gerade beim Thema Wohnen 60plus ist dieses Zusammenspiel entscheidend.
Ursprünglich komme ich aus dem Bereich Stadterneuerung. Dort geht es stark um die Frage, wie wir historische Bausubstanz erhalten und gleichzeitig auf neue Anforderungen reagieren können – etwa auf veränderte Lebensformen, auf Klimaanpassung oder auf die Frage, wie Bewohnerinnen und Bewohner in Veränderungsprozesse eingebunden werden. Gerade beim Wohnen im Alter zeigt sich sehr deutlich, dass gute Lösungen nur dann entstehen, wenn wir bauliche, soziale und demografische Entwicklungen gemeinsam denken.
Wir BestAger: Viele können sich unter Gender Planning noch wenig Konkretes vorstellen. Wie erklären Sie Ihren Ansatz?
Girardi-Hoog: Gender Planning ist im Grunde eine Form der Qualitätssicherung in der Stadtplanung. Es geht darum, genau hinzuschauen: Wer nutzt die Stadt wie – und wer hat welche Bedürfnisse? Das betrifft unterschiedliche Zielgruppen, etwa ältere Menschen oder Frauen mit oft geringeren Einkommen. Gerade im Alter zeigen sich soziale Unterschiede sehr deutlich, etwa bei leistbarem Wohnraum. Unser Anspruch ist es, realistische Lösungen für unterschiedliche Lebenslagen zu entwickeln.
Dazu gehört auch, nicht von idealisierten Lebensentwürfen auszugehen, sondern von dem, was tatsächlich ist. Gerade bei den Babyboomern, die jetzt in Pension gehen, sehen wir zum Beispiel sehr klar, dass viele Frauen im Alter finanziell schlechter abgesichert sein werden als Männer. Das hat unmittelbare Folgen für das Wohnen: für Mietbelastung, für Wohnungsgröße, für die Frage, ob gemeinschaftliche Modelle überhaupt leistbar und attraktiv werden. Genau deshalb braucht es diesen realistischen Blick.
Wir BestAger: Und ganz persönlich: Was bedeutet Ihnen Wien heute als Lebensraum?
Girardi-Hoog: Wien ist für mich ein Ort mit hoher Lebensqualität. Ich habe hier erlebt, wie gut sich Familie, urbanes Leben und soziale Netzwerke verbinden lassen. Gerade die Mischung aus Grünraum, Infrastruktur und Nachbarschaft macht diese Stadt besonders lebenswert.
Ich komme ursprünglich aus Oberösterreich und hatte selbst einmal den Gedanken, dass mit Familie vielleicht eher das Leben am Land mit Haus und Garten die richtige Lösung wäre. Heute weiß ich, wie viel Lebensqualität gerade die Stadt bieten kann – wenn gute öffentliche Räume da sind, wenn Kinder Freiräume haben und wenn Nachbarschaft tatsächlich gelebt wird. Dieses Zusammenspiel aus Alltag, Begegnung und Infrastruktur ist etwas, das Wien sehr stark macht.
Warum gutes Wohnen 60plus neu gedacht werden muss
Wir BestAger: Wenn wir über gutes Wohnen 60plus sprechen: Was gehört aus Ihrer Sicht alles dazu – jenseits von Barrierefreiheit?
Girardi-Hoog: Gutes Wohnen im Alter bedeutet vor allem Vielfalt und Selbstbestimmung. Es gibt nicht das eine Modell. Manche möchten alleine leben, andere in Gemeinschaft. Wichtig ist, dass unterschiedliche Wohnformen möglich sind und zu den jeweiligen Bedürfnissen passen. Entscheidend sind oft Details: Funktionierende Grundrisse, soziale Kontakte oder die Frage, ob man sich im Alltag gut bewegen kann.
Wir sehen ja ganz deutlich, dass die Interessen sehr unterschiedlich sind. Es gibt Menschen, die sich gemeinschaftliche Wohnformen sehr gut vorstellen können, und andere, für die das gar nicht in Frage kommt. Gerade bei Frauen ist die Offenheit für gemeinschaftliches Wohnen oft größer – auch, weil soziale Kontakte und gegenseitige Unterstützung einen hohen Stellenwert haben, aber mitunter auch, weil die finanziellen Spielräume geringer sind.
Wichtig ist deshalb, sehr genau hinzuschauen: Wie muss ein Wohnmodell konkret aussehen, damit es wirklich funktioniert? Reicht eine Gemeinschaftsküche? Gibt es Rückzugsmöglichkeiten? Fühlt sich das selbstbestimmt an? Gerade solche Details entscheiden darüber, ob ein Modell angenommen wird oder nicht.
Wir BestAger: Warum greift das klassische Bild – Alter gleich Pflege oder Heim – zu kurz?
Girardi-Hoog: Weil es der Realität nicht entspricht. Menschen sind heute oft bis ins hohe Alter selbstständig. Gleichzeitig gibt es sehr unterschiedliche Lebensentwürfe. Dieses einseitige Bild verstellt den Blick auf Möglichkeiten. Wir müssen viel differenzierter über das Leben im Alter sprechen.
Oft wird das Thema sehr schnell mit Defizit, Abhängigkeit oder Abschiebung verbunden. Dabei gibt es viele Zwischenstufen und viele Wohnformen, die ein gutes Leben im Alter ermöglichen können. Manche Menschen sind in betreuten Settings sehr zufrieden, andere möchten so lange wie möglich eigenständig wohnen, wieder andere wünschen sich bewusst mehr Gemeinschaft. Dieses starre Entweder-oder hilft uns nicht weiter. Es verhindert eher, dass wir offen und rechtzeitig über realistische Lösungen nachdenken.
Wir BestAger: Ist unser gesellschaftlicher Blick noch zu stark defizitorientiert?
Girardi-Hoog: Ja, eindeutig. Alter wird oft mit Verlust gleichgesetzt – weniger Leistung, weniger Tempo. Dabei gibt es enorme Potenziale. In anderen Kulturen wird Erfahrung viel stärker geschätzt. Wir sollten auch bei uns mehr positive Bilder des Älterwerdens entwickeln.
Bei uns ist der Blick oft sehr stark daran gekoppelt, ob jemand noch im Erwerbsleben steht, schnell ist, produktiv ist oder nicht. Wer aus diesem Raster fällt, wird rasch mit Schwäche oder Rückzug verbunden. Das greift zu kurz. Gerade ältere Menschen bringen Erfahrung, soziale Kompetenz und oft auch ein starkes Interesse an Gemeinschaft mit. Diese Seiten werden gesellschaftlich noch viel zu wenig gesehen.
Wo Wien beim Wohnen im Alter an Grenzen stößt
Wir BestAger: Wenn Sie auf Wien in den nächsten 15 bis 20 Jahren schauen: Was sind die größten Herausforderungen beim Wohnen 60plus?
Girardi-Hoog: Ein zentrales Thema ist die bestehende Bausubstanz. Neubau macht nur einen kleinen Teil aus – die Herausforderung liegt im Bestand. Viele Gebäude sind nicht barrierefrei. Gleichzeitig wird die Hitzebelastung massiv zunehmen. Dazu kommt das Thema Einsamkeit, das oft unterschätzt wird.
Wir wissen außerdem, dass die Wienerinnen und Wiener ihre Wohnungen sehr lieben – unabhängig davon, ob sie in einer Eigentumswohnung oder im sozialen Wohnbau leben. Das ist einerseits etwas Positives, weil es zeigt, wie stark die Bindung an das eigene Zuhause ist. Andererseits macht es Veränderungen nicht leichter.
Gerade im Bestand stoßen wir sehr oft an bauliche Grenzen: fehlende Lifte, Halbstocklösungen, schwer zugängliche Wohnungen. Da kann man nicht immer einfach nachrüsten. Manchmal reichen auch kleinere Eingriffe: Die Teppiche im Wohnzimmer sind eine Stolperfalle und gehören entfernt ode rim Stiegenhaus fehlt ein Handlauf der zur Wohnungstüre führt. Deshalb wird die Frage, wie wir bestehende Gebäude besser nutzbar machen, eine der zentralen Aufgaben der nächsten Jahre sein.
Wir BestAger: Welche kleinen, aber wirksamen Maßnahmen können hier helfen?
Girardi-Hoog: Es sind oft einfache Dinge: Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum, kurze Wege, gute Nahversorgung. Bankerl entlang der Wege können entscheidend sein, um Mobilität zu erhalten. Ebenso wichtig sind Begegnungsorte, die soziale Kontakte fördern.
Gerade die Alltagswege sind zentral. Wer noch selbst einkaufen geht, Besorgungen macht oder Wege im Wohnumfeld bewältigt, bleibt oft länger beweglich und selbstständig. Dafür braucht es aber Bedingungen, die das ermöglichen: Bänke zum Ausruhen, Schatten, sichere Wege, kleine Geschäfte im Umfeld.
Wichtig ist auch, dass das Nützliche mit dem Sozialen verbunden wird. Wenn ich auf einem Weg nicht nur eine Erledigung mache, sondern vielleicht auch noch jemandem begegne oder kurz irgendwo sitzen kann, dann verändert das den Alltag sehr stark.
Wir BestAger: Warum ist ein differenzierter Blick auf die Bezirke so wichtig?
Girardi-Hoog: Weil sich Wien sehr unterschiedlich entwickelt. In manchen Bezirken gibt es bereits gute Infrastruktur, in anderen entsteht gerade erst ein Bedarf. Auch soziale Strukturen und Einkommensverhältnisse unterscheiden sich stark. Diese Unterschiede müssen wir berücksichtigen.
Dazu kommt, dass sich auch die Zusammensetzung der älteren Bevölkerung verändert. Wir haben heute und in Zukunft viel stärker als früher ältere Menschen mit sehr unterschiedlichen Biografien, auch mit Migrationsgeschichte, mit anderen Erwerbsverläufen und anderen sozialen Netzwerken. Das bedeutet: Wir können nicht mit einem einzigen Bild von „den Seniorinnen und Senioren“ planen. Wir müssen genauer hinschauen, wo welcher Bedarf entstehen.
Warum viele die Wohnfrage zu lange verdrängen
Wir BestAger: Viele Menschen möchten so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Wo liegen Chancen und Grenzen?
Girardi-Hoog: Das ist ein verständlicher Wunsch. Gleichzeitig sind Wohnungen oft zu groß oder nicht geeignet. Deshalb braucht es ergänzende Modelle – etwa gemeinschaftliches Wohnen oder flexible Lösungen. Wichtig ist eine Kombination aus baulichen und sozialen Innovationen.
Aus Sicht der Stadt ist dieser Wunsch ambivalent. Einerseits ist das Zuhause emotional sehr wichtig. Andererseits sitzen viele Menschen später allein in Wohnungen, die ursprünglich für Familien gedacht waren, groß sind und oft nur mehr schwer zu bewältigen sind. Gleichzeitig fehlt es an passenden Alternativen oder an der Bereitschaft, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen.
Deshalb sind Modelle spannend, die nicht nur baulich ansetzen, sondern auch sozial: etwa wenn jüngere Menschen mit Älteren wohnen, wenn gegenseitige Unterstützung organisiert wird – wie zB bei “Wohnbuddy” – oder wenn Gemeinschaft nicht Verlust von Privatsphäre bedeutet, sondern Erweiterung von Möglichkeiten.
Wir BestAger: Eine Studie zeigt, dass rund 75 Prozent das Thema Wohnen im Alter verdrängen. Woran liegt das?
Girardi-Hoog: Wir leben in einer sehr leistungsorientierten Gesellschaft. Der Gedanke, irgendwann Unterstützung zu brauchen, passt nicht zu diesem Selbstbild. Deshalb wird das Thema oft ausgeblendet.
Viele Menschen sehen sich selbst lange als fit, unabhängig und handlungsfähig – und das ist ja auch etwas Positives. Problematisch wird es dann, wenn alles, was mit möglicher Verletzlichkeit zu tun hat, gar nicht mehr gedacht wird. Dann wird Wohnen im Alter schnell mit dem Gefühl verbunden, dass jetzt etwas zu Ende geht. Dabei stimmt gerade das oft nicht. Es können sehr gute Jahre sein – wenn man rechtzeitig beginnt, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und mit Bekannten darüber zu sprechen, die haben ja die selben Ängste und Hoffnungen. Dann verlieren die notwendigen Veränderungen die Bedrohlichkeit und es entstehen viel mehr Möglichkeiten.
Wir BestAger: Was sind die Folgen dieser Verdrängung?
Girardi-Hoog: Viele setzen sich erst damit auseinander, wenn bereits Druck entsteht – gesundheitlich oder organisatorisch. Dabei gehen wertvolle Jahre verloren, in denen man aktiv gestalten könnte.
Wer sich erst dann mit Wohnfragen beschäftigt, wenn eine Krise da ist, hat meist deutlich weniger Wahlmöglichkeiten. Genau deshalb wäre es so wichtig, früher darüber zu sprechen – ohne Angstbilder und ohne Dramatisierung. Es geht nicht darum, alles sofort entscheiden zu müssen. Aber es geht darum, innerlich offen zu sein und Möglichkeiten überhaupt einmal zuzulassen.
Wir BestAger: Was macht einen Stadtteil wirklich gut bewohnbar für Menschen 60plus?
Girardi-Hoog: Eine Mischung aus Generationen, gute Infrastruktur und Möglichkeiten zur Begegnung. Wichtig sind konsumfreie Räume, Grünflächen und soziale Angebote. Das Leben spielt sich im unmittelbaren Umfeld ab.
Ein guter Stadtteil ist lebendig, vielfältig und alltagstauglich. Ideal ist, wenn unterschiedliche Generationen einander begegnen können, ohne dass dafür immer ein spezielles Programm notwendig ist. Spielplatz, Park, Trinkbrunnen, Sitzgelegenheiten, kleine Treffpunkte – all das schafft Möglichkeiten für ein selbstverständliches Miteinander.
Gerade im Alter ist das Nahumfeld entscheidend. Man fährt nicht für jede soziale Begegnung quer durch die Stadt. Deshalb müssen Lebensqualität, Austausch und Unterstützung dort möglich sein, wo Menschen wohnen.
Weshalb Gender Planning und Klima mitentscheiden
Wir BestAger: Welche Rolle spielt Gender Planning konkret beim Wohnen 60plus?
Girardi-Hoog: Es hilft, Bedürfnisse sichtbar zu machen. Frauen sind im Alter oft finanziell schlechter gestellt, gleichzeitig aber stärker vernetzt. Daraus ergeben sich spezifische Anforderungen – etwa an gemeinschaftliche Räume oder leistbare Wohnmodelle.
Gender Planning bedeutet in diesem Zusammenhang, die richtigen Fragen zu stellen: Welche Räume werden tatsächlich gebraucht? Wie müssen Gemeinschaftsbereiche funktionieren? Was ist im Alltag hilfreich? Frauen bringen hier oft große soziale Ressourcen mit, weil sie ihr Leben lang stärker in Sorgearbeit, Kommunikation und Organisation eingebunden waren. Gleichzeitig sind sie ökonomisch oft benachteiligt. Beides muss zusammen gedacht werden.
Wir BestAger: Warum muss der Klimawandel beim Wohnen 60plus mitgedacht werden?
Girardi-Hoog: Hitze ist ein großes Risiko, besonders für ältere Menschen. Es geht um schattige Wege, Begrünung, Kühlung und intelligente Stadtplanung. Gleichzeitig müssen Lösungen sozial verträglich sein.
Wir sprechen hier auch von einer Hitze-Ungleichheit: Wer mehr Geld hat, kann sich leichter schützen – etwa durch Zweitwohnsitze, bessere bauliche Bedingungen oder technische Lösungen. Wer wenig Geld hat, ist viel stärker der Hitze im Alltag ausgesetzt.
Deshalb reicht es nicht, nur an einzelne Wohnungen zu denken. Wir müssen den öffentlichen Raum, die Wege zum Arzt, Wartezonen, Schatten, Bäume und Abkühlung insgesamt mitdenken. Kühlung ist keine rein private Frage mehr, sondern eine stadtplanerische.
Wir BestAger: Warum ist es so wichtig, nicht nur über ältere Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen?
Girardi-Hoog: Weil nur sie selbst ihre Bedürfnisse wirklich kennen. Deshalb arbeiten wir mit Daten, aber auch mit Dialogformaten. Ziel ist es, realistische und umsetzbare Lösungen zu entwickeln.
Wir brauchen beides: den quantitativen Überblick und das konkrete Gespräch. Zahlen zeigen uns, wo sich Entwicklungen abzeichnen, wo Infrastruktur fehlt oder wo sich bestimmte Gruppen konzentrieren. Aber wie Menschen wohnen wollen, was ihnen Angst macht, welche Hoffnungen sie haben oder welche Wohnformen sie sich vorstellen können – das erfährt man nur im direkten Austausch. Deshalb ist dieser Dialog so wichtig.
Was BestAger konkret tun sollten
Wir BestAger: Zum Abschluss: Was raten Sie Menschen ab Mitte 50, die ihre Wohnsituation überdenken möchten?
Girardi-Hoog: Früh anfangen. Sich in Etappen von etwa zehn Jahren fragen: Wie möchte ich leben? Was brauche ich wirklich? Welche Alternativen gibt es? Und ganz wichtig: Dinge ausprobieren, offen bleiben und mit anderen ins Gespräch kommen. Das schafft Klarheit und eröffnet neue Möglichkeiten.
Es geht nicht darum, sofort eine endgültige Entscheidung zu treffen. Aber es ist sinnvoll, sich regelmäßig ehrlich mit der eigenen Situation zu beschäftigen: Will ich so wohnen bleiben? Ist die Wohnung passend? Wenn ich mir eine andere Wohnung anschauen könnnte, welche wäre das? Was wäre, wenn ich einmal mehr Unterstützung brauche? Welche Wohnformen gibt es überhaupt und was würde ich noch gerne ausprobieren?
Und oft hilft es schon, kleine Schritte zu setzen – sich informieren, mit anderen sprechen, Angebote anschauen, vielleicht auch einmal etwas ausprobieren. Wer früh beginnt, hat mehr Spielraum und trifft Entscheidungen meist aus einer Position der Stärke heraus, nicht erst unter Zeitdruck.
Wir BestAger: Frau Dr. Girardi-Hoog, vielen Dank für das Gespräch.
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