Der Übergang in den Ruhestand: Zwischen Vorfreude und Unsicherheit
Der Übergang aus dem Berufsleben in den sogenannten Ruhestand ist eine grundlegende Transformation. Verbunden mit Gefühlen der Aufregung und Vorfreude, aber auch der Unsicherheit und der Trauer. Denn beides kommt ja vor und nicht immer wieder der Ruhestand als selbstgewählter Schritt verstanden. Viele gehen in Ruhestand, weil eine bestimmte Altersgrenze das Ende der Erwerbsarbeit definiert, manche gehen gezwungenermaßen auch schon früher in Ruhestand, weil der Job gekündigt wird und ein neuer Wiedereinstieg unrealistisch erscheint. Oder weil Krankheit das weiterarbeiten unmöglich macht.
Selbst die Menschen, die sich auf den Ruhestand freuen, berichten auch von Gefühlen von Unsicherheit. Wie wird es sein, auf was muss ich mich vorbereiten, was wird mir vielleicht fehlen?
Dieser Text hier ist für Menschen, die Freude daran haben, zu reflektieren, neue Träume und Pläne zu entwickeln und über ihr Leben im Ruhestand nachzudenken. Dieses Reflektionsbedürfnis haben nicht alle Menschen. Ich erlebe immer wieder Menschen, die sich völlig entspannt aus der Erwerbsarbeit verabschieden und dann die nächste Phase sozusagen ausprobieren, mit vielen unkonkreten Plänen, von denen sich dann die einen oder anderen auch verwirklichen und einige eben auch nicht. Das ist gut so, wenn es passt und in meinen Augen sehr typabhängig. Wer sich in diesen letzten zwei Sätzen wiedergefunden hat, muss jetzt nicht weiterlesen.
Wer aus dem Berufsleben das Planen kennt, sucht auch in der Vorbereitung auf den Ruhestand Struktur. In meinen Coachings sind diese Menschen häufig, allein schon weil ich sie oft schon vorher als Führungskraft oder Unternehmerin begleitet habe und diese Art der Arbeit über Jahrzehnte eingeübt und als erfolgreich erlebt wurde.
Aus dieser Coachingpraxis ist mein Workbook Aktiver Ruhestand entstanden, mit vielen Fragenbögen und Übungen, um zunächst Bilanz zu ziehen und aus dieser Bilanz die nächste Lebensphase zu planen. So wie es individuell am besten passt, denn jeder Ruhestand ist höchst unterschiedlich. So unterschiedlich, wie wir Menschen eben sind.
INHALTSVERZEICHNIS
Gisela Enders (58)
ist Coach und Autorin. Im Coaching begleitet sie Menschen zu den Themen Führung, Finanzen und Ruhestand.
In ihren Büchern schreibt sie auch genau zu diesen Themen. Sie lebt mit ihrem Mann und Hund in Nordhessen.
Mehr zu Giisela und ihrem Workbook findest du auch Wir BestAger Marktplatz.
Bilanz ziehen: Wo stehe ich heute?
Hier lassen sich zunächst viele Fragen stellen:
- Was hat mich in meinem Berufsleben ausgemacht, was habe ich besonders gut gekonnt?
- Welche Qualitäten und Fähigkeiten will ich aus der Erwerbsarbeit in den Ruhestand mitnehmen, welche will ich bewusst und gerne hinter mir lassen?
- Wie viel Anerkennung brauche ich von außen?
- Wie soll mein optimaler Abschied aus dem Berufsleben aussehen?
- Was macht mich jenseits des Erwerbslebens auch heute schon aus? Welche anderen Identitäten lebe ich (Ich bin Vater, Gärtner, Vorstandsvorsitzende, Sängerin ….)?
- Wie sieht mein soziales Netzwerk aus, wenn Kollegen wegfallen?
- Wie erschöpft oder tatendurstig bin ich gerade?
- Bin ich gesund?
- Wie steht es um Bewegung, Ernährung und Schlaf?
- Welche Routinen will ich (vielleicht nach einer Einstiegspause im Ruhestand) auch später beibehalten?
Die persönliche Schatzkiste: Was habe ich bereits geschafft?
Zum Abschied gesellen sich manchmal Zweifel, ob man in der beruflichen Karriere wirklich etwas geschafft hat. Denn diese Phase geht jetzt zu Ende und mögliche Hoffnungen nach dem Motto „Dann starte ich durch“ müssen jetzt leider beerdigt werden. Für manche glimmt die Hoffnung schon noch, weil sie auch im Ruhestand Karrierepläne haben, meistens sind diese aber doch deutlich kleiner als solche, die wir mit 30 oder auch noch mit 50 hatten.
Du hast nichts geschafft? So gar nichts? Das glaube ich nicht.
Aber ich habe eine Übung für dich: Nimm dir Zeit, mindestens 30 Minuten, lieber zweimal 30 Minuten, mit einem Spaziergang zwischen beiden Arbeitsphasen. Und dann schreib in einer Schatzkiste alles auf, was du bisher Tolles gemacht hast.
In deinem Berufsleben: Wie war dein Werdegang? Für wen warst du wichtig? Was hast du möglich gemacht? Wem hast du Freude bereitet? In welcher Form warst du wertvoll? Was waren besondere Sternstunden, an die du dich gerne erinnerst?
Deine Schatzkiste kannst du gerne erweitern, denn auch dein bisheriges Leben bestand vermutlich nicht nur aus Erwerbsarbeit. Bei allen ist da der Blick auf die Kindheit, Jugend, Ausbildung. Was gab es da Tolles, was in deine Schatzkiste gehört?
Im nächsten Schritt kannst du deine Schatzkiste mit Schätzen aus deiner Familie, deinen Hobbies, aus Erinnerungen an Reisen und an Freunde ergänzen.
Werte als Kompass für den Ruhestand
Wenn du mit dieser Art der Bilanz fertig bist, dann lohnt es sich zu schauen, welche Werte dich in deinem Leben ausmachen.
In meinem Workbook aber auch in Internet findest du dazu viele Vorschläge von unterschiedlichen Werten.
Zunächst suchst du dir zehn Werte aus, die dich und dein Leben bisher bestimmt haben. Aus diesen 10 Werten werden dann die drei wichtigsten herausgesucht.
Immer mit der Frage, was ist wichtiger: Wenn Sicherheit und Freundschaft zwei Werte sind, was ist dann wichtiger? Freundschaft. Wenn Freundschaft und Liebe zwei Werte sind, was ist dann wichtiger? Liebe. Usw. bis deine drei wichtigsten Werte übrigbleiben. Als Kompass.
Vom Rückblick zur Planung: Die nächste Lebensphase gestalten
In diesem Text kann ich die Arbeit gliedern, in der Coachingpraxis ist die Arbeit nie sauber getrennt.
Im Rückblick gibt es gleich auch Gedanken zum Ausblick.
- Was möchte ich in Zukunft? Sind bei meinen Werten welche im Erwerbsleben zu kurz gekommen, die ich jetzt unbedingt leben will?
- Wie kann ich meine Qualitäten und Fähigkeit in der nächsten Lebensphase gut einsetzen?
- Was möchte ich vor meinem Tod noch unbedingt machen? Und was will ich vielleicht im Ruhestand definitiv nicht mehr tun?
So geht die Planung los. In meinem Workbook gibt es dazu fünf Kapitel.
Es geht um Aktivitäten, soziale Kontakte, Finanzen, Wohnen und Sorge/Vorsorge. Mir ist bewusst, dass nicht alle Kapitel für alle zutreffen. Sondern es sind Angebote, sich diese Felder anzuschauen. Wunderbar, wenn man merkt, da bin ich gut aufgestellt, da muss ich nichts tun. Oder vielleicht doch nicht so wunderbar. Weil ist es nicht eigentlich wunderbar, dass du in dieser Lebensphase an ganz vielen Stellen was tun kannst? Frei entscheiden kannst, wie es jetzt werden soll? Ich wünsche dir beim durchstarten ganz viel Freude und Lebenslust!
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