Die unterschätzte Gefahr der Altersarmut
Aktualisiert am 16. Juni 2026: Die Zahlen zu Gender Pay Gap, Pensionslücke und Armutsgefährdung wurden auf Basis der aktuell verfügbaren Daten 2025/2026 überarbeitet.
Altersdiskriminierung trifft Frauen besonders hart – im Beruf, in der Pension und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Jahrzehntelange Einkommensunterschiede, unbezahlte Care-Arbeit und systematische Benachteiligungen summieren sich zu einer finanziellen Falle, aus der es schwer ist, zu entkommen.
Doch du kannst gegensteuern! In diesem Beitrag zeigen wir dir die wichtigsten Ursachen und geben dir konkrete Tipps, wie du dich finanziell absichern und Altersdiskriminierung aktiv entgegenwirken kannst.
INHALTSVERZEICHNIS
Gender Pay Gap und Karrierebarrieren: Warum Frauen weniger verdienen
Frauen verdienen in Österreich weiterhin deutlich weniger als Männer. Die Ursachen liegen nicht nur in direkter Benachteiligung, sondern auch in strukturellen Faktoren: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, übernehmen weiterhin einen großen Teil der unbezahlten Sorgearbeit, sind seltener in Führungspositionen vertreten und arbeiten überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Branchen.
Aktuelle Berechnungen zeigen, dass die Einkommenslücke auch 2025 deutlich bleibt. Laut Stepstone Gehaltsreport 2025 beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap in Österreich 12,5 %, der bereinigte Gender Pay Gap 6,3 %. Für den Report wurden mehr als 57.200 Vergütungsdaten ausgewertet. Der bereinigte Wert zeigt: Selbst bei vergleichbaren Merkmalen wie Beruf, Branche, Alter, Ausbildung, Berufserfahrung oder Führungsverantwortung verdienen Frauen im Schnitt weiterhin weniger als Männer.
Auch der Equal Pay Day 2025 macht diese Einkommenslücke sichtbar: In Österreich fiel er 2025 auf den 2. November. Das bedeutet rechnerisch, dass Frauen im Jahr 2025 60 Tage unbezahlt arbeiteten. Laut AMS lag der dafür herangezogene Gender Pay Gap bei 16,3 %; vollzeitbeschäftigte Männer verdienten demnach durchschnittlich 63.451 Euro brutto jährlich, Frauen 53.128 Euro.
AMS Austria.
Besonders relevant ist die Teilzeitfrage. Im 3. Quartal 2025 arbeiteten laut Statistik Austria 49,1 % der Frauen, aber nur 14,0 % der Männer in Teilzeit. Betreuungspflichten bleiben dabei ein zentraler Grund: Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen werden nach wie vor überwiegend von Frauen getragen.
Statistik Austria.
Das bedeutet: Ein Teil der Einkommenslücke lässt sich durch strukturelle Faktoren erklären — etwa Teilzeit, Branchenwahl, Erwerbsunterbrechungen oder geringere Führungsverantwortung. Ein relevanter Rest bleibt aber bestehen, obwohl Frauen vergleichbare Qualifikationen und Berufserfahrung mitbringen. Genau darin zeigt sich, dass Gleichstellung am Arbeitsmarkt noch lange nicht erreicht ist.
Was du tun kannst:
- Gehalt verhandeln: Informiere dich über marktübliche Gehälter und fordere aktiv faire Bezahlung ein.
- Weiterbildung gezielt nutzen: Investiere in Qualifikationen, die deine Aufstiegschancen erhöhen.
- Netzwerke aufbauen: Tausche dich mit anderen Frauen aus und nutze Mentoring-Programme.
- Politisch engagieren: Unterstütze Initiativen für Lohngerechtigkeit und transparente Gehaltsstrukturen.
Pensionslücke und Armutsgefährdung
Die Einkommensunterschiede im Erwerbsleben setzen sich in der Pension fort. Der Equal Pension Day 2025 fiel in Österreich auf den 7. August. An diesem Tag hatten Männer statistisch bereits so viel Pension erhalten, wie Frauen erst bis Jahresende bekommen. Die Pensionslücke lag 2025 bei rund 39,7 bis 39,8 %. Frauen erhielten im Durchschnitt 1.527 Euro brutto Pension, Männer 2.535 Euro — das sind 1.008 Euro weniger pro Monat.
ÖGB.
Damit ist die Pensionslücke zwar erstmals knapp unter die 40-Prozent-Marke gefallen, sie bleibt aber enorm. Besonders deutlich wird das im Bundesländervergleich: In Wien ist die Lücke mit 28,2 % am niedrigsten, in Vorarlberg mit 46,7 % am höchsten. Österreichweit zeigt sich: Erwerbsunterbrechungen, Teilzeit, niedrigere Einkommen, geringere Aufstiegschancen und unbezahlte Care-Arbeit wirken sich über Jahrzehnte aus — und werden in der Pension sichtbar.
Noch deutlicher wird das Armutsrisiko bei alleinlebenden Pensionistinnen. Laut EU-SILC 2025 waren 28 % der alleinlebenden Pensionistinnen armutsgefährdet, bei alleinlebenden Pensionisten waren es 14 %. Statistik Austria weist ausdrücklich darauf hin, dass geschlechtsspezifische Armutsunterschiede vor allem bei Einpersonenhaushalten sinnvoll interpretiert werden können, weil Einkommen in Mehrpersonenhaushalten statistisch gemeinsam betrachtet werden.
Statistik Austria.
Auch insgesamt hat sich die soziale Lage verschärft: 1,699 Millionen Menschen in Österreich waren 2025 armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht 18,8 % der Bevölkerung und bedeutet einen Anstieg gegenüber 2024. Für Frauen mit niedrigen Erwerbseinkommen, langen Teilzeitphasen oder Erwerbsunterbrechungen bleibt Altersarmut daher ein reales Risiko.
Statistik Austria.
Was du tun kannst:
- Care-Arbeit: sorge in deiner Partnerschaft für eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit
- Frühzeitig handeln: Je früher du dich mit deiner Altersvorsorge beschäftigst, desto besser. Prüfe regelmäßig deine Pensionsansprüche und informiere dich über mögliche Versorgungslücken.
- Private Altersvorsorge nutzen: Setze auf private Altersvorsorgeprodukte und investiere in langfristige Sparpläne, um deine finanzielle Zukunft abzusichern.
- Finanzielle Bildung stärken: Erweitere dein Wissen über Finanzplanung und Altersvorsorge, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.
Altersdiskriminierung im Gesundheitsbereich
Ältere Frauen berichten häufig, dass ihre Symptome im Gesundheitswesen nicht ernst genommen werden. Beispielsweise werden Beschwerden oft als „normale Alterserscheinungen“ abgetan, ohne gründliche Untersuchungen durchzuführen.
Etwa die Hälfte der europäischen Frauen befinden sich in der Menopause. Unter Beschwerden leiden etwa 2/3 aller Frauen, ca. 1/3 so heftig, dass die Lebensqualität massiv beeinträchtigt wird. In einigen wenige Ländern, z.B. in Großbritannien, wird die Menopause mittlerweile als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem betrachtet, das auch am Arbeitsplatz berücksichtigt werden muss.
Mehr zum Thema im Expertenbeitrag „Wechseljahre leicht gemacht“.
Was du tun kannst:
- Tabuthemen wie Wechselbeschwerden offen ansprechen, auch am Arbeitsplatz
- Selbstbewusst auftreten: Bestehe auf gründlichen Untersuchungen und lasse dich nicht mit oberflächlichen Erklärungen abspeisen.
- Zweitmeinungen einholen: Wenn du das Gefühl hast, nicht ernst genommen zu werden, suche einen anderen Arzt oder eine andere Ärztin auf.
- Informiert sein: Wissen über gesundheitliche und rechtliche Themen kann dir helfen, deine Situation besser zu verstehen.
Gesellschaftliche Erwartungen an Frauen im Alter
In Werbung und Film werden Frauen meist jung und makellos dargestellt, während Männer auch mit grauen Haaren und Falten als erfolgreich und begehrenswert präsentiert werden.
Der gesellschaftliche Druck auf Frauen, „jung zu bleiben“, kann zu einem Gefühl der Unsichtbarkeit führen. Diese Erwartungen beeinflussen nicht nur das Selbstbild, sondern auch die Wahrnehmung und Behandlung durch andere. Falten und graue Haare sind Zeichen eines gelebten Lebens und sollten nicht als Makel betrachtet werden.
Mehr zur Diskriminierung älterer Frauen in unserem Beitrag:
https://wir-bestager.jetzt/diskriminierung-von-alteren-frauen/
Was du tun kannst:
- Selbstakzeptanz fördern: Akzeptiere dein Alter als Teil deiner Identität und schätze die Erfahrungen, die du gesammelt hast.
- Bewusstsein schaffen: Sprich offen über Altersdiskriminierung und setze dich für ein realistisches und positives Bild des Alterns ein.
- Stellung beziehebn: nicht Anti-Aging, sondern Pro-Agig ist die Devise
- Netzwerke aufbauen: Verbinde dich mit anderen Frauen in ähnlichen Lebensphasen, um Unterstützung und Austausch zu finden.
Fachliche Ausgrenzung: Berufliche Herausforderungen für Frauen über 50
In unserer Gesellschaft werden Frauen über 50 häufig mit Vorurteilen und Benachteiligungen konfrontiert, erleben häufiger berufliche Ausgrenzung. Altersdiskriminierung und Sexismus addieren sich zu einem doppelten Problem. Die Vorstellung, dass Männer im Alter an Wert gewinnen, während Frauen an Attraktivität verlieren, ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Männer mit 50 Plus gelten als erfahren, tatkräftig, Frauen als alt und widerspenstig, werden oft unsichtbar.
Was du tun kannst:
- Weiterbildung aktiv suchen: Bleibe neugierig und lerne kontinuierlich dazu, um mit den aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten.
- Netzwerke nutzen: Tausche dich mit anderen Frauen in ähnlichen Situationen aus und unterstützt euch gegenseitig.
- Selbstbewusst auftreten: Betone deine Erfahrung und zeige, dass du bereit bist, Neues zu lernen und dich weiterzuentwickeln.
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Unternehmertum: Frauen über 50 gründen
In Österreich sind etwa 20 % der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) von Personen über 50 gegründet, mehr als die Hälfte davon von Frauen.
Auf dem Marktplatz von „Wir BestAger“ sind rund 87 % der Unternehmen von Frauen geführt. Viele Frauen setzen auf Selbstständigkeit, um Altersdiskriminierung im Job zu umgehen und ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
Was du tun kannst:
- Deine Erfahrung nutzen: Als Best Agerin hast du wertvolles Wissen und Kompetenzen – finde ein Geschäftsmodell, das dazu passt.
- Förderungen prüfen: Viele Länder bieten spezielle Unterstützungen für Gründerinnen über 50 an.
- Business-Netzwerke beitreten: Der Austausch mit anderen Gründerinnen kann dir wertvolle Tipps und Unterstützung bieten.
Fazit: Altersdiskriminierung & Altersarmut
Altersdiskriminierung und Altersarmut ist ein komplexes Thema und trifft Frauen deutlich öfter und härter als Männer. Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern aktiv gegen diese Diskriminierung anzukämpfen. Verbinde dich mit unterstützenden Netzwerken, bilde dich weiter und fordere gleichberechtigte Behandlung sowohl im Arbeitsumfeld als auch in anderen Lebensbereichen ein.
Wir können etwas gegen Altersdiskriminierung tun, indem wir:
▶︎ Unsere eigenen Vorurteile und Stereotypen hinterfragen.
▶︎ Über Altersdiskriminierung sprechen und aufklären.
▶︎ Unternehmen und Institutionen kritisieren, die Altersdiskriminierung praktizieren.
▶︎ Unsere Stimme erheben und für ein gleichberechtigtes Miteinander kämpfen.
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Social Media Management, Digitale BestAger Trainerin. Ich mag es, Neues zu lernen, etwas aufzubauen. Ich mag Veränderung.
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▶︎ Dass wir mit ausreichend digitalem Know-how vernetzt, informiert und aktiv an der Gesellschaft teilhaben können – statt den Anschluss zu verlieren.
