1450 Wien

1450 Wien – Die zentrale Anlaufstelle für Gesundheitsfragen

Viele kennen in Österreich 1450 noch aus der Pandemiezeit.

In Wien ist die Nummer heute vor allem eines: eine rund um die Uhr erreichbare, telefonische Gesundheitsberatung, die anhand von Symptomen eine Dringlichkeit einschätzt und konkrete Handlungsschritte empfiehlt.

David Reif, Leiter der Gesundheitsberatung 1450 Wien beim Fonds Soziales Wien (FSW), erklärt im Interview mit Wir BestAger, wie der Service funktioniert und welche Angebote viele noch gar nicht kennen.

Fotocredits: FSW

INHALTSVERZEICHNIS

David Reif 1450

David Reif

ist seit 2019 Leiter der Gesundheitsberatung Wien 1450, die vom Fonds Soziales Wien (FSW) betrieben wird.

Zu seinem Aufgabenbereich gehören die Strategieentwicklung, Planung und Umsetzung komplexer Projekte, sowie wie die fachliche Führung der Abteilung.

David Reif absolvierte den Executive MBA im Bereich Sozialmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Wie hat sich 1450 entwickelt?

Wir BestAger: Herr Reif, 1450 Wien in einem Satz: Wofür steht 1450 heute – und wann ist ein Anruf sinnvoll?

David Reif: 1450 ist die zentrale Anlaufstelle für Gesundheitsfragen aller Art: Menschen schildern ihre Symptome, und speziell geschulte diplomierte Pflegekräfte nehmen eine Dringlichkeitseinschätzung vor und geben eine konkrete Handlungsempfehlung – von der Selbstversorgung zu Hause über ärztliche Abklärung bis zur Akutversorgung.

Wir BestAger: Bevor wir ins Detail gehen: Wie hat sich 1450 entwickelt – und was war von Anfang an der Kernauftrag?

David Reif: 1450 ist ein gemeinsames Projekt von Bund, Ländern und Sozialversicherung. Gestartet wurde am 7. April 2017 mit der Gesundheitsberatung – zunächst als Pilot in Vorarlberg, Niederösterreich und Wien. In Wien haben wir damals mit rund 18 Mitarbeitenden begonnen, mit etwa 200 Anrufen pro Tag. Mit November 2019 wurde 1450 bundesweit ausgerollt. 2020 kam dann die Pandemie – damit stiegen die Anrufzahlen massiv, in Spitzenzeiten bis zu 67.000 Anrufe an einem Tag. In dieser Phase wurden auch zusätzliche Services aufgebaut. Der Kern ist aber gleich geblieben: anhand der Symptombeschreibung Dringlichkeit einschätzen und empfehlen, was der nächste sinnvolle Schritt ist.

Wir BestAger: Viele verbinden 1450 noch mit Corona. Was ist heute der zentrale Nutzen?

David Reif: 1450 ist ein niederschwelliger Service: Menschen bekommen ohne Weg- und Wartezeiten – also bequem von zu Hause aus – eine fachliche Einschätzung ihrer Symptome. Zusätzlich vermitteln wir Gesundheitskompetenz und können auch praktisch unterstützen: etwa mit Informationen zu geöffneten Apotheken und Ärzt:innen-Praxen, Verfügbarkeitsprüfungen für Medikamente oder auch Terminbuchungen.

Wir BestAger: Welche Dimension hat 1450 im Alltag – wie viele Anrufe gehen in Wien ein, und wie stark schwankt das im Jahresverlauf?

David Reif: Im Jahr 2025 sind in Wien insgesamt rund 400.000 Anrufe bei 1450 eingegangen. Aktuell, in der Grippe- und Erkältungswelle, liegen wir an manchen Tagen bei bis zu 2.000 Anrufen. Das zeigt sehr gut, wie stark der Bedarf je nach Saison ansteigen kann.

Abgrenzung: 1450, 144 und 141 – was ist wofür?

Wir BestAger: Viele sind unsicher: Wie grenzt sich 1450 von 144 und 141 ab?

David Reif: 144 ist ganz klar die Notrufnummer: akuter Notfall, Rettung kommt, versorgt, bringt ins Krankenhaus. Bei 144 gehen aber auch viele Anrufe ein, die kein Notfall sind. Solche Anrufe können direkt an 1450 weitergeleitet werden. Im Vorjahr waren das in Wien rund 14.000 weitergeleitete Anrufe – das bedeutet in der Folge auch weniger Rettungseinsätze und Ambulanzbesuche in Fällen, bei denen vielleicht eine hausärztliche Versorgung ausreicht. Wenn wir bei 1450 umgekehrt feststellen, dass es ein Notfall ist, haben wir bereits die relevanten Daten (Stammdaten, Einsatzadresse) und können das direkt ins Einsatzleitsystem der Rettung einspielen – dann fährt die Rettung aus.

Wir BestAger: Gibt es eine einfache Faustregel für die Praxis?

David Reif: Wenn jemand unsicher ist, ob es „schlimm genug“ ist: Ein Anruf bei 1450 schafft rasch Klarheit. Und wenn es ein Notfall ist, können wir ohnehin weiterleiten. Die Anrufer:innen müssen nicht wissen, wie das System im Hintergrund funktioniert – wir lotsen durch die nächsten Schritte.

Wir BestAger: Sie sprechen oft von „Patient:innenwegen lenken“ und mehr Effizienz im System. Funktioniert das tatsächlich – folgen Menschen Ihren Empfehlungen?

David Reif: Ja, das funktioniert sehr gut. Wir sehen in Wien, dass über 75 % der Anrufer:innen den Handlungsempfehlungen der telefonischen Gesundheitsberatung innerhalb des empfohlenen Zeitraums folgen. Genau das hilft, Patient:innen gezielter in den passenden Versorgungsbereich zu bringen – und damit Ressourcen im Gesundheitssystem effizienter zu nutzen.

So läuft ein typischer Anruf bei 1450 ab

Wir BestAger: Wie läuft ein typischer Anruf ab – von der ersten Schilderung bis zur Empfehlung?

David Reif: Wir arbeiten mit First Level und Second Level. Im First Level werden die wichtigsten Stammdaten erhoben und die ersten Informationen aufgenommen. Danach geht es ins Second Level: Dort übernehmen diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, die als Emergency Communication Nurse speziell geschult sind. Es gibt eine erneute Datenkontrolle – gerade weil bei einem Notfall die korrekten Informationen entscheidend sind. Danach wird entlang eines international verwendeten Abfrageschemas anhand des Hauptsymptoms triagiert: also eingeschätzt, wie dringend die Situation ist und wo die Person am besten versorgt werden kann.

Wir BestAger: Können Sie ein Beispiel geben, das viele aus dem Alltag kennen?

David Reif: Ein Klassiker: Freitagabend, jemand hat Beschwerden – etwa Unwohlsein oder Bauchschmerzen – und ist unsicher: Magenverstimmung, etwas Harmloses oder doch etwas, das rasch abgeklärt werden sollte? Wir schließen lebensbedrohliche Zustände aus, ordnen die Dringlichkeit ein und empfehlen den nächsten sinnvollen Versorgungsweg. Wenn etwa eine Primärversorgungseinrichtung am Wochenende geöffnet hat, können wir in vielen Fällen dort direkt einen Termin einbuchen. Die anrufende Person erhält zusätzlich eine SMS mit Bestätigung und Adresse, damit sie sich gut orientieren kann.

Wir BestAger: Welche Informationen sollten Anrufer:innen parat haben?

David Reif: Wichtig sind die personenbezogenen Daten (für wen wird angerufen), Sozialversicherungsnummer und Einsatzadresse. In der Abfrage geht es außerdem um Medikamente (welche, wie oft) und Vorerkrankungen – das hilft, die Dringlichkeit gut einzuschätzen. 

Wir BestAger: Und wenn ein Gespräch abbricht?

David Reif: Dann rufen wir zurück – immer. Wir wissen nicht, was passiert ist, und es kann auch sein, dass sich während des Gesprächs eine Notsituation ergibt. Wir versuchen es auch mehrmals.

1450 Gesundheitsberatung

Was viele nicht wissen: zusätzliche Services

Wir BestAger: Welche Angebote werden aus Ihrer Sicht unterschätzt oder sind zu wenig bekannt?

David Reif: Viele kennen 1450 primär als „Symptom-Check“. Darüber hinaus haben wir in Wien aber eine Reihe von Services. Beispiele:

  • Medikamenten-Verfügbarkeitsprüfung: Wir können sagen, in welcher Apotheke ein Medikament vorrätig ist – das spart Wege und Zeit.
  • Terminbuchung in Primärversorgungseinheiten (PVE): In zahlreichen PVE können wir direkt Termine einbuchen und per SMS Bestätigung und Adresse senden.
  • für Menschen mit Krebsdiagnose bzw. Verdachtsdiagnose: Befunde können hochgeladen werden und Betroffene erhalten rasch einen passenden Termin in einer wohnortnahen fachonkologischen Abteilung einer Klinik.
  • Kooperation mit dem Ärztefunkdienst: Wenn außerhalb der regulären Öffnungszeiten ein Arzt/eine Ärztin nötig ist, kann ein Ticket an den Ärztefunkdienst weitergeleitet werden.
  • Organisation von Krankentransporten: Statt mehrere Telefonnummern durchzugeben, kann geprüft werden, wer Kapazitäten hat – und bei Wunsch auch gezielt ein bestimmter Anbieter ausgewählt werden.
  • Geburtsinfo Wien: Auch wenn das für BestAger persönlich kein Thema mehr ist, aber ggf. für Mitglieder in der Familie: Für Schwangere – mit Informationen rund um die Schwangerschaft und Unterstützung bei der Wahl der Geburtsklinik; der Service wird in mehreren Sprachen angeboten.
  • Impfservice: Information zum Impfschema der Stadt Wien und – wo vorgesehen – Terminbuchung; auch für Reiseimpf-Themen.
  • Infos & Checklisten auf der Website: Etwa rund um Haus- oder Reiseapotheke – als Teil des Ansatzes, Gesundheitskompetenz zu stärken.
  • Weiterleitung an das FSW-Kund:innenservice: Gerade für ältere Anrufer:innen kann das wichtig sein – etwa wenn sich im Gespräch zeigt, dass zusätzlich Pflege und Betreuung oder sozialarbeiterische Unterstützung benötigt wird.


Wir BestAger:
Sie haben auch eine Videoberatung erwähnt. Wie ist da der Stand?

David Reif: Die Videoberatung ist als Pilotprojekt gestartet. Sie wird gut in Anspruch genommen, und wir arbeiten daran, sie weiterzuentwickeln – auch mit Blick darauf, welche Zielgruppen sie besonders nutzen.

Kosten, Finanzierung, kostenloser Zugang

Wir BestAger: 1450 ist für Anrufer:innen kostenlos – im Hintergrund stehen aber Team und Technik. Wie wird 1450 Wien finanziert, und bleibt das aus Ihrer Sicht dauerhaft kostenlos?

David Reif: 1450 ist ein gemeinsames Vorhaben von Bund, Ländern und Sozialversicherung, mit unterschiedlichen Anteilen. In Wien gibt es darüber hinaus mehrere Projekte, die von der Stadt Wien mitfinanziert werden. Für die Anrufer:innen gilt: Der Service ist kostenlos nutzbar. Und ja – das soll auch so bleiben.

1450 in den Bundesländern und der Blick über die Grenze

Wir BestAger: 1450 gibt es in allen Bundesländern – aber in unterschiedlicher Ausprägung. Was macht Wien anders?

David Reif: Das Kerngeschäft – Dringlichkeit einschätzen und Empfehlungen geben – ist überall gleich. Wien hat früh begonnen, zusätzliche Services aufzubauen und die 1450 schrittweise zu erweitern. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen regional unterschiedlich – etwa städtisch versus ländlich, und auch abhängig davon, welche Versorgungsstrukturen vorhanden sind. Es gibt bundespolitische Bestrebungen, Angebote stärker zu vereinheitlichen, daran wird gearbeitet.

Wir BestAger: Und im EU-/DACH-Vergleich: Wo steht Wien?

David Reif: Gesundheitssysteme sind sehr unterschiedlich. In der Schweiz etwa ist die Steuerung in bestimmten Bereichen strenger organisiert. Insgesamt finde ich, Wien ist hier einen sehr guten Weg gegangen – bei gleichzeitig sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen in anderen Ländern.

Fazit: Was sollen Leser:innen über 1450 mitnehmen?

Wir BestAger: Welche 3–5 Fakten sollen unsere Leser:innen mitnehmen – und welche Botschaft geben Sie Menschen 50+ mit, die zögern, ob sie bei 1450 „richtig“ sind?

David Reif:

  1. Rund um die Uhr erreichbar: 24/7, 365 Tage.
  2. Abklärung ohne Weg- und Wartezeiten: vom Wohnzimmer aus, strukturiert und standardisiert.
  3. Klarheit über die nächsten Schritte: Selbstversorgung, ärztliche Abklärung in den nächsten Tagen oder doch eine Akutversorgung – wir ordnen das ein.
  4. Unterstützende Services: etwa Medikamenten-Verfügbarkeit, Informationen zu Versorgung, in bestimmten Fällen Terminbuchung und SMS-Nachrichten zum Nachlesen.
  5. Wirksamkeit: Über 75 % der Anrufer:innen in Wien folgen den Empfehlungen innerhalb des empfohlenen Zeitraums.
  1. Niederschwellig und kostenlos nutzbar: Ein Anruf schafft rasch Klarheit und Sicherheit – und wenn es ein Notfall ist, leiten wir sofort an die Berufsrettung weiter.

Wir BestAger: Haben Sie zum Schluss noch eine Zahl, die die Dimension zeigt?

David Reif: Im Jahr 2025 sind in Wien insgesamt rund 400.000 Anrufe bei 1450 eingegangen. Etwa 40 % der Anrufer:innen sind 50 Jahre oder älter – das entspricht in etwa der Verteilung in der Wiener Stadtbevölkerung. Häufige Anliegen in dieser Altersgruppe sind Fragen zur Medikamenteneinnahme, Fragen zu Messwerten ohne Symptome (z. B. Blutdruck oder Zucker), Hitzebeschwerden, der Bedarf nach mobiler Pflege und Betreuung oder Sozialarbeit sowie allgemeine Auskünfte zu passenden Versorgungsorten.

Faktenbox: 1450 Wien auf einen Blick

  • Telefonische Gesundheitsberatung: Symptombeschreibung → Dringlichkeit → Handlungsempfehlung
  • Erreichbarkeit: täglich 24/7 – auch an Wochenenden und Feiertagen
  • Beratung durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP) mit Spezialausbildung zur Emergency Communication Nurse (ECN)
  • Volumen: rund 400.000 Anrufe in Wien im Jahr 2025; in Spitzenzeiten (z. B. Grippe-/Erkältungswellen) bis zu 2.000 Anrufe pro Tag
  • Wirkung: Über 75 % der Anrufer:innen folgen den Empfehlungen innerhalb des empfohlenen Zeitraums
  • Zielgruppe: rund 40 % der Anrufer:innen sind 50+
  • Schnittstellen: Weiterleitung zwischen 1450 und 144 möglich; zusätzliche Services je nach Bedarf (z. B. Medikamenten-Verfügbarkeit, Termin-/SMS-Service, Impftermine, Geburtsinfo Wien, oncare.wien, Weiterleitung an das FSW-Kund:innenservice)

https://www.1450.wien/
https://www.fsw.at/n/www-1450-wien-alle-infos-zur-telefonischen-gesundheitsberatung

Weitere Infos zum Thema Gesundheit unter anderem in folgenden Wir BestAger Blogs:

Gesundheit 60+ – Zwischen Systemdruck, Eigenverantwortung und digitalen Infos: 
https://wir-bestager.jetzt/gesundheit-60/
Gute Gesundheitsinfos im Internet erkennen – Websites, Apps, Warnsignale: 
https://wir-bestager.jetzt/gesundheitsinfos-im-internet/
Bewegung als „Medizin“ ab 60 – was wirklich zählt, ohne Leistungsdruck:
https://wir-bestager.jetzt/bewegung-ab-60/
Gesundheit in Wien: 1450, Ärztefunk… so findest Du schneller Hilfe:
https://wir-bestager.jetzt/gesundheit-in-wien/
ELGA einfach erklärt
https://wir-bestager.jetzt/elga-einfach-erklart/
Elektronische Gesundheitsakte
https://wir-bestager.jetzt/epa-elektronische-patientenakte/

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Mag. Ulrike Ischler

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